Mittwoch, 4. März 2015

Die Masche

In der letzten Jugendstunde ist mir klar geworden, was ein weiterer Grund dafür sein könnte, warum sich heutzutage immer weniger Jugendliche für die Kirche interessieren. Ich hatte eine hitzige Diskussion mit meinem Jugendleiter, es ging im Allgemeinen um den Umfang des neuapostolischen Glaubens. Er war so überzeugt davon, wie ein neuapostolischer Christ zu glauben hat, dass er auf meine für ihn wahrscheinlich erschreckenden Ansichten schließlich sinngemäß antwortete: Wenn jemand das so nicht glaubt, dann soll er halt aus der Kirche austreten und in einer anderen Gemeinschaft selig werden. Aber ständig rumnörgeln fände er nervig und schädlich für den Glauben der anderen.

Nachdem ich diesen starken Schlagabtausch - der nachher immer persönlicher wurde - verdaut hatte, wurde mir klar, was ich da gerade erlebt hatte. Den Grund, warum sich heutzutage immer weniger Jugendliche für die Kirche interessieren. Wenn man zeitlich in die Kindheit unserer Eltern springt, also den mittleren Teil des Mittelalters (ca. 45-60 Jahre), dann sieht man in kirchlicher Hinsicht eine ganz andere Erziehung. Die Kinder wurden viel stärker auf den neuapostolischen Glauben gedrillt  und die Jugendlichen hatten so viele Treffen und Veranstaltungen in der Woche, dass gar keine andere Freizeitgestaltung möglich war. Und wenn sich mal ein Jugendlicher nicht ganz mit dem vorgezeigten Pfad identifizieren konnte, bekam er meist vorwurfsvolle Kommentare zu hören, sodass er entweder mehr versucht hat, es den anderen recht zu machen, oder gleich weg geblieben ist.
Genau diese Generation stellt heute den aktiven Teil der Gemeinden.

Wenn man heute die Erziehungsmethoden der jungen Eltern ansieht, kommt es verrucht vor, wenn der Papst sagt, ein Klaps gehöre zur Kindheit dazu. Dass eine riesige und vor allem rasante Entwicklung in der Kinderziehung dazu geführt hat, dass die Generationsunterschiede in Sachen Glaube und Kirche größer sind als damals, macht sich dann in ähnlichen Auseinandersetzungen wie o. g. bemerkbar. Die Jugendleiter sind meist aus dem jungen Mittelalter (ca. 35-45 Jahre), welches teilweise noch stark geprägt ist vom altertümlichen Glauben. Während die Jugendlichen, mit denen sie sich beschäftigen sollen, eine ganz andere Erziehung genossen haben. Natürlich sind sie alle christlich erzogen worden, aber auch zum selbstständigen Denken und fortschrittlichen Handeln. Wenn jetzt ein Jugendlicher im Alter von 19 Jahren im Gottesdienst sitzt und der Dienstleiter in seiner Predigt viel mehr auf die Senioren eingeht, ist es nur logisch, dass der Jugendliche die Predigt als altmodisch und vollkommen stehen geblieben empfinden könnte.

Die damalige kirchliche Erziehung möchte ich gerne als Masche bezeichnen, die damals auch noch sehr gut funktioniert hat. Heute hat sich zwar an diesem System schon vieles geändert, bspw. haben wir aktuell einen Stammapostel, der sehr direkt seinen in manchen Dingen schon fortschrittlich gerichteten Glauben preis gibt. Trotzdem gibt es noch viele Dinge, die rückwärtsgewandt sind und auch so ausgedrückt werden - z.B. Glaube in Christus. Jugendlichen kommt diese Sprache altmodisch und dadurch im nächsten Moment ein Stück weit albern vor. Der Umkehrschluss ist: Man steckt seinen Glauben in andere Dinge - Sport, Musik, Karriere.

Erschreckt hat mich vor allem, dass so wenig um die jungen Jugendlichen gekämpft wird. Statt dessen wird gesagt, sie sollen sehen, wo sie glücklich werden. Ist das die Art für seinen Glauben zu werben? Am wichtigsten ist doch auch hier wieder: Es ist egal, ob man regelmäßig zur Kirche geht - solange man im Sinne der Nächstenliebe handelt, kann der "heilige Geist" überall wirken!