Mittwoch, 27. Mai 2015

Bestrafung und Belohnung

Vor ein paar Tagen las ich morgens beim Frühstück einen Zeitungsartikel, der mir ganz zufällig in die Hände fiel. Es ging um die drei sog. abrahamitischen Religionen - Juden, Muslime und Christen. Als Zusatz zu diesem Artikel gaben drei Kinder ein Statement zu ihrem Glauben ab, wie und woran sie glauben. Schon bevor ich anfing zu lesen war ich skeptisch, was die Authentizität der drei Kinder anging, denn als Kind spricht man gerne nur das nach, was die Erwachsenen für richtig halten und was man in der Sonntagsschule lernt. Der Artikel war gut zu lesen, doch natürlich hörten sich die drei Absätze sehr überarbeitet an.
 
Was mir bei jedem Statement auffiel, war, dass alle vom Prinzip der Bestrafung und Belohnung erzählten. Wenn man ganz viel Gutes tut in seinem Leben kommt man in das Paradies. Andersrum, wenn man mordet oder anderweitig sündigt kommt man in die Hölle, bzw. erstmal vor das jüngste Gericht. Dort werden die Sünden mit den guten Taten auf einer Waage verglichen.
Dieses Denken ist in uns Menschen derart verankert, dass wir manchmal sogar unbewusst danach handeln. Werden wir beispielsweise krank, fragen wir uns womit wir das verdient haben. Ist es nicht grober Unsinn nach dem Prinzip Bestrafung/ Belohnung zu leben? Nicht nur, dass wir uns selber das Leben schwer machen, nein, wir wenden dieses Prinzip auch bei anderen an.
 
Niemand weiß genau, was nach dem Tod kommt, bzw. wo die Seele hingeht. Wir sehen nur, dass die gestorbenen Körper zu Asche werden. Und die, die das Licht schon gesehen haben, beschreiben es ganz anders als es in der Bibel beschrieben wird.
 
Sie sagen, es ist ein unglaublich warmes Licht, was einen umhüllt und man fühlt sich wohl. Nichts also mit Himmel und Hölle, jüngstem Gericht und Sündenwaage. Keiner weiß, was kommt.
Wozu also vom Altar herab Angst und Schrecken verbreiten, wo man doch viel mehr Grund hat, so zu leben, dass man später auf einen erfüllten und optimistischen Lebenslauf zurückblicken kann?

Freitag, 24. April 2015

Andere Religionen...

Ich entsinne mich einer Begegnung während eines Berufsschulblocks, welche mich zum Nachdenken anregte. Meine Berufsschule ist so weit von meinem Wohnort entfernt, dass der Unterricht in Blöcken stattfindet und man während dieser Zeit auf Wunsch in einem Internat untergebracht wird. Als anfangs meine Klasse das erste mal zusammen traf, schloss ich sofort Freundschaft mit einer mir sympathischen Blondine. Sie war wie ich im ganzen Gewusel etwas orientierungslos und sprach mich einfach an. Seitdem sind wir sehr gute Freundinnen geworden und immer, wenn wir zusammen Berufsschulunterricht haben, kommen wir in sehr interessante Gespräche, denn:




Sie ist Zeugin Jehovas.



Es ist, seit wir uns kennen lernten, eine gute Woche vergangen bis sie mir das offen legte und ich kann nur bekunden, dass sie die Liebe in Person ist. Sie ist nie neidisch, wenn ich eine bessere Zensur in einer Klausur bekomme, sondern freut sich tierisch mit mir. Sie bekommt sofort ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich über andere ärgert, weil die ihr quer gekommen sind. Sie besteht darauf, mir einen Kaffee auszugeben, wenn ich in der Pause mein Geld im Klassenraum vergessen habe und will es auf keinen Fall zurück haben.
Das Schönste aber ist, dass man sich mit ihr so ungezwungen über den eigenen Glauben austauschen kann. Wenn jemand sagt "Ich bin Zeuge Jehovas", schrecken viele einen großen Schritt zurück. Das liegt meist an der Vorstellung, beim Frühstück von den sog. Verkündigern gestört und mithilfe einer drängenden Art zu ihrer Versammlung (vergleichbar mit einer Messe oder einem Gottesdienst) eingeladen zu werden.
In unserer Kirchengemeinschaft wurde bis vor ein paar Jahren diese Art der Einladung auch noch praktiziert und kam verständlicherweise ebenfalls nur mäßig gelungen an. Vielleicht ist das auch mit ein Grund dafür, warum viele der Meinung waren, die Neuapostolische Kirche käme einer Sekte gleich. Man nannte das Missionsarbeit. Heutzutage verzichtet man darauf, weil es vielen unangenehm ist, mit fremden Leuten an der Haustür gezwungen über den (eigenen) neuapostolischen Glauben zu sprechen.


An meiner Freundin ist mir aufgefallen, wie anders die Zeugen Jehovas ihre Leute an sich binden. Bei ihnen bekommt jeder einen Namen und somit eine Aufgabe - meine Freundin zum Beispiel ist, wie alle anderen auch, Verkündigerin. Das bedeutet, dass man den Glauben über das Geschehen Jehovas als Zeuge verkündigen soll. Sie erzählte mir von einer Versammlung in größerem Rahmen und wie stolz sie darauf war ein Ordner-Schildchen zu tragen, weil man ihr die Aufgabe aufgetragen hatte, am Eingang den Besuchern den Weg zu weisen. (siehe auch Die Masche - Revolution)


Andererseits sind viele Zeugen Jehovas, die ich bis jetzt kenne lernen durfte, sehr eingeschränkt in ihrem Blickfeld. D.h. in einem Austausch von Glauben und Überzeugung beharren viele von ihnen darauf, was sie gelernt haben und rattern Tunnelblick-artig alles runter, was ihnen zum Thema in den Sinn kommt und begründen es mithilfe von fragwürdigen Bibelstellen. Hiermit möchte ich deutlich machen, dass ich keine Sympathie für die Zeugen Jehovas hege, doch meine Freundin hat mir gezeigt, dass nicht der Glaube oder die Religion die Menschen bilden, sondern der Umgang mit den Mitmenschen.


Ich bin davon überzeugt, dass wir alle an denselben Gott glauben, ob wir ihn nun Jehova, Allah oder Gott nennen. Wenn wir sterben werden wir uns alle im selben Licht wieder treffen - nur muss jeder im Laufe seines Lebens seine eigene Religion finden, mit der er am besten leben kann.



Mittwoch, 4. März 2015

Die Masche

In der letzten Jugendstunde ist mir klar geworden, was ein weiterer Grund dafür sein könnte, warum sich heutzutage immer weniger Jugendliche für die Kirche interessieren. Ich hatte eine hitzige Diskussion mit meinem Jugendleiter, es ging im Allgemeinen um den Umfang des neuapostolischen Glaubens. Er war so überzeugt davon, wie ein neuapostolischer Christ zu glauben hat, dass er auf meine für ihn wahrscheinlich erschreckenden Ansichten schließlich sinngemäß antwortete: Wenn jemand das so nicht glaubt, dann soll er halt aus der Kirche austreten und in einer anderen Gemeinschaft selig werden. Aber ständig rumnörgeln fände er nervig und schädlich für den Glauben der anderen.

Nachdem ich diesen starken Schlagabtausch - der nachher immer persönlicher wurde - verdaut hatte, wurde mir klar, was ich da gerade erlebt hatte. Den Grund, warum sich heutzutage immer weniger Jugendliche für die Kirche interessieren. Wenn man zeitlich in die Kindheit unserer Eltern springt, also den mittleren Teil des Mittelalters (ca. 45-60 Jahre), dann sieht man in kirchlicher Hinsicht eine ganz andere Erziehung. Die Kinder wurden viel stärker auf den neuapostolischen Glauben gedrillt  und die Jugendlichen hatten so viele Treffen und Veranstaltungen in der Woche, dass gar keine andere Freizeitgestaltung möglich war. Und wenn sich mal ein Jugendlicher nicht ganz mit dem vorgezeigten Pfad identifizieren konnte, bekam er meist vorwurfsvolle Kommentare zu hören, sodass er entweder mehr versucht hat, es den anderen recht zu machen, oder gleich weg geblieben ist.
Genau diese Generation stellt heute den aktiven Teil der Gemeinden.

Wenn man heute die Erziehungsmethoden der jungen Eltern ansieht, kommt es verrucht vor, wenn der Papst sagt, ein Klaps gehöre zur Kindheit dazu. Dass eine riesige und vor allem rasante Entwicklung in der Kinderziehung dazu geführt hat, dass die Generationsunterschiede in Sachen Glaube und Kirche größer sind als damals, macht sich dann in ähnlichen Auseinandersetzungen wie o. g. bemerkbar. Die Jugendleiter sind meist aus dem jungen Mittelalter (ca. 35-45 Jahre), welches teilweise noch stark geprägt ist vom altertümlichen Glauben. Während die Jugendlichen, mit denen sie sich beschäftigen sollen, eine ganz andere Erziehung genossen haben. Natürlich sind sie alle christlich erzogen worden, aber auch zum selbstständigen Denken und fortschrittlichen Handeln. Wenn jetzt ein Jugendlicher im Alter von 19 Jahren im Gottesdienst sitzt und der Dienstleiter in seiner Predigt viel mehr auf die Senioren eingeht, ist es nur logisch, dass der Jugendliche die Predigt als altmodisch und vollkommen stehen geblieben empfinden könnte.

Die damalige kirchliche Erziehung möchte ich gerne als Masche bezeichnen, die damals auch noch sehr gut funktioniert hat. Heute hat sich zwar an diesem System schon vieles geändert, bspw. haben wir aktuell einen Stammapostel, der sehr direkt seinen in manchen Dingen schon fortschrittlich gerichteten Glauben preis gibt. Trotzdem gibt es noch viele Dinge, die rückwärtsgewandt sind und auch so ausgedrückt werden - z.B. Glaube in Christus. Jugendlichen kommt diese Sprache altmodisch und dadurch im nächsten Moment ein Stück weit albern vor. Der Umkehrschluss ist: Man steckt seinen Glauben in andere Dinge - Sport, Musik, Karriere.

Erschreckt hat mich vor allem, dass so wenig um die jungen Jugendlichen gekämpft wird. Statt dessen wird gesagt, sie sollen sehen, wo sie glücklich werden. Ist das die Art für seinen Glauben zu werben? Am wichtigsten ist doch auch hier wieder: Es ist egal, ob man regelmäßig zur Kirche geht - solange man im Sinne der Nächstenliebe handelt, kann der "heilige Geist" überall wirken!

Mittwoch, 18. Februar 2015

Ins Christ sein hineingeboren

Jeder Mensch wird in sein Leben hinein geboren, ob als Europäer oder Afrikaner, Mann oder Frau, ob in eine einsame oder von Menschen stark bevölkerte Gegend. Keiner kann sich die Nase aussuchen, die er bekommt und erst recht nicht die Familie in der er aufwächst. Irgendwann kommt man in ein Alter, in dem man alles und jeden in Frage stellt. Wer bin ich? Wo komme ich her? Woran glaube ich? Und will ich etwas ändern?

Auf den christlichen Glauben bezogen kommt man ebenfalls an einen Punkt, an dem man seinen Glauben neu definieren will und muss. Viele Jugendliche entscheiden sich nach sorgfältiger Abwägung gegen die Kirche als Institution, das bedeutet aber keinesfalls, dass sie nicht trotzdem in Verbindung mit Gott stehen. Man könnte sogar vielerorts den Eindruck gewinnen, dass die Leute, die sich gegen die Kirche und die damit verbundenen Aktionen entscheiden, viel mehr mit Gott im Einklang leben als manch selbsternannter Super-Christ. Es ist nur gesund seine Lebensform ständig zu hinterfragen, denn nur so kann man sie optimieren. Natürlich leben Menschen, die alles für bare Münze nehmen und so leben, wie es ihnen vom Altar aus vorgetragen wird, ebenfalls gesund. Vielleicht sogar einfacher, weil sie nicht ständig Auseinandersetzungen durchleben. Doch es fehlt ihnen das fortschrittliche Wachsen mit der Gesellschaft, was größtenteils nur durch das ständige Erweitern der eigenen Meinung erreicht wird.

Wo komme ich her?
Jeder weiß über sich selbst am besten Bescheid: Als ich geboren wurde, haben meine Eltern für mich entschieden, die christliche Verantwortung für mich zu übernehmen - ich wurde getauft und versiegelt. Als Kleinkind ging ich zur Vorsonntags- und später zur Sonntagsschule, danach besuchte ich den Religionsunterricht und später den Konfirmandenunterricht. Mit der Konfirmation geben die Eltern die Verantwortung für das Wachsen im christlichen Glauben des Kindes ab und man selber kann entscheiden, ob man vor Gott ein Treue-Gelübde ablegen möchte oder sich gänzlich von ihm abwendet. Nun kommt die bittere Wahrheit, ganze 3/4-tel der Jugendlichen wenden sich mit der Konfirmation von der Kirche ab. Ich selbst spiele schon lange mit dem Gedanken mich aus dem Kirchenbuch streichen zu lassen, meine Eltern sind darüber logischerweise sehr enttäuscht. Sie haben mich ja mein ganzes Leben lang christlich erzogen in der Hoffnung, dass diese Tradition in mir verankert ist und mich durch mein Leben begleitet. Trotzdem beißt sich dieser Gedanke fest und man wägt jeden Sonntagmorgen neu ab, was einen noch zum Gottesdienst treibt.

Festzuhalten ist jedoch, dass man immer ein Kind Gottes bleiben wird, ob man nun die Kirche besucht oder nicht. Ich könnte mich nach meinem Austritt immer noch mit meinen Eltern über den vergangenen Gottesdienst und seine Inhalte unterhalten. Ich wäre auf dem Papier zwar nur noch Besucher der neuapostolischen Kirche und kein Mitglied mehr, doch aus einer Familie kann man sich nicht austragen lassen.
Man gehört immer dazu.

Montag, 16. Februar 2015

Die Wiederkunft des Herrn

Wenn wir die Bibel ganz hinten aufschlagen und in der Offenbarung lesen, erinnern wir uns an die grundsätzliche Hoffnung des neuapostolischen Glaubens: Wenn die letzte Seele gefunden ist, kommt der Herr Jesus wieder auf die Erde und holt seine Braut (also die vollständige Gemeinde) ins tausendjährige Friedensreich.
Letzten Sonntag durfte ich einen Gottesdienst erleben, während dem es bildlich gesprochen lieblich rieselnde Floskeln regnete. Besagter Dienstleiter war zu Gast in unserer Gemeinde aufgrund des Ämteraustausches. Das Wort zum Gottesdienst bildete sich aus der Geschichte, in der die Jünger alleine auf dem See Genezareth fischen waren und ein riesiger Sturm aufkam. Die Jünger haben Todesangst als schließlich Jesus über das Wasser zu ihnen kommt und Petrus ihm entgegen geht.

Vorweg möchte ich ganz deutlich sagen, dass ich jeden bewundere, der vorne frei zu einer ganzen großen Gemeinde sprechen kann und auch vollstes Verständnis dafür habe, wenn man aus Aufregung etwas sagt, was man später womöglich revidieren würde!
Jedenfalls biss sich besagter Dienstleiter derart an o. g. Bibelwort fest, dass ich innerlich immer mehr zu brodeln anfing und schließlich, um frische Luft zu schnappen, das Kirchenschiff verließ. Normalerweise gibt es in unserer Gemeinde Leute, die in solchen Fällen parallel zum Gottesdienst in einem anderen Raum eine Gesprächsrunde eröffnen, bspw. um Konfirmanden das Bibelwort näher zu erläutern oder mit Jugendlichen über die Predigt zu diskutieren. Leider war gerade an diesem unglückseligen Tag keiner da mit dem man sich darüber hätte unterhalten können und darum setzte ich mich nach einer Weile mit einem neuen Funken Hoffnung wieder in den Gottesdienst und versuchte, wenigstens zwischen den Zeilen, irgendwas zu finden, das für mich greifbar wäre.

Das war das eine. Was mich aber viel mehr störte - und das kommt in unseren Breitengraden häufig vor - war die Definition, bzw. Interpretation über die Wiederkunft des Herrn. Viele sind heutzutage der Meinung, dass dies folgendermaßen aussieht:

„Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.“ (1. Thessalonicher 4, 16-17)

Dass die Bibel aber damals hauptsächlich ein Mittel zur Moralschaffung war und alles, was in ihr niedergeschrieben ist, bildliche Darstellungen sind, vergessen die meisten.

Die Wiederkunft von Gott auf diese Erde wird vollkommen falsch gesehen! Es wird niemand vom Himmel auf die Erde herab geschwebt kommen und alle in einem Lichtstrahl zu sich heraufziehen.
Mit der Wiederkunft Gottes ist etwas ganz anderes gemeint: Eine Art Erleuchtung, die uns widerfahren kann, wenn wir alles daran setzen friedlich und im Sinne der Nächstenliebe zu leben. Diese Erleuchtung kann in vielen Dingen geschehen, z. B. während eines Gesprächs in dem sich eine völlig neue Richtung eröffnet. Wenn es im Kopf kribbelt und man merkt, dass sich wieder eine neue Synapse gebildet hat und der Gedankenstrom weiterkommt. Oder auch in der Musik, wenn man gemeinsam immer mehr erreicht und seine Grenzen und somit auch Ziele neu stecken kann - egal ob man in einer Band spielt oder einem Orchester.

Kurz gesagt, man erreicht Erleuchtung durch Erfüllung, die man sich in allen Bereichen erarbeiten kann - sei es Sport, Philosophie, Musik, Handwerk, oder ähnliches. Im Gottesdienst versucht man eben aus dem Wort den Saft zu ziehen, der einen erleuchtet und dadurch im Leben weiter bringt. Wobei man stets beachten sollte, dass ein Vortrag nur durch die Gespräche und das Feedback danach in einem lebendig bleibt.

Montag, 9. Februar 2015

5 Dinge, die man von Jugendlichen lernen kann

In meinem Post 6 Ideen, die Kirche umzugestalten habe ich ein paar Illusionen dargestellt, mit denen man die Kirche jugendfreundlicher bzw. auch jugendtauglicher gestalten könnte. Heute ist mir ein neuer Einfall gekommen: Um die derzeitigen Jugendlichen in der Kirche zu halten und evtl. sogar zurück zu gewinnen, muss ein Austausch an Traditionen und vor allem Denkweisen erfolgen!
Im Folgenden möchte ich erstmals ein paar Dinge nennen, die im Herzen jung gebliebene (mittelalte und ältere) Gemeindemitglieder von Jugendlichen lernen können.

1  Kenn dein Limit!
Als aktiver Christ möchte man bestimmte Aktionen gerne wahrnehmen - bspw. Orchester(-Proben), Chor(-Wochenenden), Planungsgruppen, Ämterstunden, Jugendstunden, usw. Es gibt viele Christen, die - oh gewundert - nebenbei noch arbeiten, Kinder haben, ein Haus oder eine Existenz aufbauen. Jugendliche kennen ihr Limit, und das hat nicht immer was mit Power zu tun. Wenn jemand nach einem 9-Stunden-Tag Handwerkerarbeit nach Hause kommt und sich dann noch den Stress macht zur Gesangstunde zu müssen, bei dem bleibt auch irgendwann die Lust an der Sache auf der Strecke.

2  In Frage stellen
Vielen kommt es zynisch oder gar sündhaft vor, das gepredigte Wort zu hinterfragen. Natürlich kann man immer etwas aus der Predigt picken, das sich für die eigene Person positiv interpretieren lässt. Doch statt immer nur Ja und Amen zum gesprochenen Wort zu sagen, sollte man sich mit der Predigt auseinander setzen, denn es ist immer noch ein Mensch, durch den Gott versucht zu wirken. Wer weiß schon, ob es gerade wirklich Gott gewirktes Wort ist, oder ein Stock-konservativer Vortrag?

3  Konstruktive Kritik annehmen
Auch in einer Wohlfühl-Gemeinde gibt es mal Stress. Gerade dann ist es wichtig, der kritisierenden Person zuzuhören und nicht gleich in den Kriegsmodus zu verfallen. Sollte sie in Beschimpfungen umschlagen, kann man immer noch locker bleiben und einfach sagen, wie es ist: "Wenn du schimpfen möchtest, geh' woanders hin."

4  Leger aufgehübscht
Ich als Frau kann getrost sagen, dass ich den Sonntagmorgen auch gerne für eine Schmink-Session und ausgedehnte Kleiderauswahl nutze. Bei diesem Thema scheiden sich allerdings die Geister, denn es gibt viele Jugendliche, die auch am Sonntagmorgen schnell zu bequemer Jeans, Hemd und Sneakers greifen und leger gekleidet zum Gottesdienst erscheinen. Unter Jugendlichen ist die Sonntagskleidung erstmal zweitrangig, in erster Linie freut man sich über die Freunde, die da sind.

5  Smartphones
Oft werden wir schief angeguckt, wenn wir kurz vor Gottesdienstbeginn nochmal schnell ins Handy schauen, denn in älteren Kreisen gilt das allgemein als unhöflich, bzw. sogar verpönt. Meistens möchte man nur noch mal schnell die Stumm-Taste drücken um peinliche Anrufe mitten im Gottesdienst zu vermeiden. Wenn ein Jugendlicher doch mal etwas länger aufs Handy guckt, sollte man ihn nicht verurteilen, denn ohne ihn zu fragen, weiß keiner, wie zwischenmenschlich wichtig die letzte Whats-App-Nachricht gerade war.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Stolz und Vorurteil

Neulich fuhr ich im Linienbus Richtung Innenstadt und im Vierer neben mir saßen zwei äußerst alternativ geprägte Leute - ein Mittzwanziger Mann und ein sehr jung aussehendes Mädchen. Dass sie Alternativos waren, konnte ich aus ihrer Kleidung entnehmen: schwarze Lederjacken, Camouflage-Hosen, Springerstiefel, das Mädchen hatte lila-farbene Haare und einen Sidecut, der Mann eine schwarze Kapuze auf. Beide hatten Sporttaschen und Rucksäcke dabei, das Mädchen eine Kokosnuss in der Hand.
 
Die gesamte Fahrt über versuchte ich - anfangs krampfhaft - meine Sitznachbarn nicht in eine Schublade zu stecken. Ich überlegte, wo sie wohl hinfuhren, was sie den Abend noch vorhatten und vor allem, ob sie sich über mich ähnliche Gedanken machten. Plötzlich bekam die Kokosnuss in ihrer Hand eine ganz neue Bedeutung, denn daraus kletterte eine kleine weiße Ratte mit rot funkelnden Augen. Mein Gesicht verzog sich zu einer ungläubigen Grimasse und gleichzeitig erinnerte ich mich abermals an meinen Vorsatz.
 
Dies sollte mir schon bald leichter fallen, denn kurz darauf ereignete sich folgende Situation: Als der Busfahrer vor einer gelben Ampel stärker bremsen musste, fiel vorne etwas laut scheppernd zu Boden. Von meinem Platz aus konnte ich nicht orten, was es war und wo das Teil hingefallen war. Der Mann sagte zu seiner Freundin, welche am Gang saß: "Da ist beim Busfahrer was runter gefallen.". Sie stand auf, ging nach vorne und gab dem Busfahrer freundlich zurück, was er nicht aufheben konnte. Sofort war alles Negative, was ich vorher aus Mangel an Wissen über die beiden unterdrücken wollte, wie weggefegt.
 
 
Wenn ich ehrlich bin, stehe ich kritisch zur Bibel. Ich weigere mich zu glauben, dass alle Ereignisse, die dort beschrieben sind, exakt so passiert sind. Man sollte wissen, dass sich die Bibel aus verschiedenen Schriften und größtenteils mündlichen Überlieferungen zusammensetzt. Vor allem aber aus den Meinungen, bzw. Überzeugungen der Verfasser. Es ist wissenschaftlich belegt, dass es einen Mose oder Abraham gar nicht gegeben hat - sie sind nur Geschichten, bzw. Gleichnisse, die man sich erzählt hat, um eine gewisse Grundmoral unter den Menschen zu schaffen. Schließlich wurden all diese Geschichten zu Papier gebracht und fein säuberlich zu einem Buch zusammengefasst. Brauchen wir eine Bibel um uns tagtäglich klar zu machen, dass wir anderen mit (Nächsten-)Liebe begegnen und sie nicht vorschnell verurteilen sollten? Es sind doch die alltäglichen Situationen, die uns prüfen und im positiven gegenseitigen Miteinander üben.
 
 
Man könnte die o. g. Situation also auch als ein Gleichnis nehmen. In diesem Fall wäre die Moral aus der Geschicht': Wir sollten versuchen, Menschen niemals nur auf Basis ihres Aussehens zu beurteilen. Bevor wir uns erlauben, unser Gegenüber in eine Schublade zu stecken, müssen wir ihn kennen lernen. Und selbst dann sollte es nur eine Schublade zur Auswahl geben, in die wir unser Gegenüber, auf welches wir uns gerade fokussieren, hinein stecken könnten.

Montag, 2. Februar 2015

Alles Zufall!

Es ereignete sich an helllichtem Tage am Nachmittag folgende Situation:

Jemand aus meinen Freundeskreis war sehr verschnupft und hatte sich aufgerafft, in der Apotheke zwei Straßen weiter etwas Medikamente gegen die sich ankündigende Grippe zu kaufen. Man muss wissen, dass auf der Straßenseite der Apotheke mit separatem Fuß- und Radweg eine Bushaltestelle ist. Als er seinen Einkauf getätigt hatte, ging er gerade aus der Ladentür als ihn ein Fahrradfahrer anfuhr. Er musste durch die aus dem Bus aussteigenden Menschen auf den Fußweg ausweichen und fuhr sehr schnell. Nach dem kleinen Unfall entschuldigte sich der Radfahrer und der Freund nickte. Dies ging alles so schnell, dass der Fahrradfahrer schon wieder weg war, als dem Freund auffiel, dass der Radler mit dem Lenker ein Loch in seine Strickjacke gerissen hatte.

Nun ist derjenige Freund sehr praktisch veranlagt und ärgerte sich nicht lange darüber, doch durch das Loch kamen wir auf den Vorfall zu sprechen. Er meinte, der kleine Unfall wäre Zufall gewesen.

Doch was ist Zufall?
Die Wissenschaft definiert Zufall als ein Ereignis ohne kausale Erklärung. Wir nehmen den Zufall meist nur als Begründung, um eine Situation zu erklären, die uns unlogisch erscheint. Es gibt Menschen, die demselben Ereignis einen anderen Namen geben würden - Karma, Schicksal, göttliche Fügung. Man kann das Leben aber auch als eine Reihe von unendlich vielen guten/ schlechten Entscheidungen sehen. In der o. g. Situation hätte der Fahrradfahrer vorausschauender fahren, rechtzeitig bremsen und absteigen können, dann wäre alles ganz anders ausgegangen. So gesehen war die Entscheidung des Radlers ein Stück weit mit menschlicher Bequemlichkeit und ein bisschen Egoismus verbunden und hat den Zusammenprall herbei geführt. Hätte er sich anders entschieden, wäre er nicht die Gefahr eingegangen in die aussteigende Menge zu fahren und auf den Fußweg ausweichen zu müssen und der Freund hätte sich keine neue Jacke kaufen müssen.

Der Zufall ist trotz alledem schwer zu erklären, doch mit positiv und sicher gewählten Entscheidungen senken wir die Wahrscheinlichkeit, dass Unfälle oder Situationen entstehen, die uns zum Nachteil dienen werden. Mit unserem Handeln sollte uns auch das Wohl unserer Mitmenschen am Herzen liegen - egal, ob geliebte Familienmitglieder oder uns fremde Menschen. Wenn wir bei wichtigen Entscheidungen, die auch andere betreffen, risikofreiere Lösungen wählen, verhindern wir ein Stück weit Unfälle oder prekäre Situationen.

Kurz gesagt: Wir machen unser Leben schöner und auch leichter!

Donnerstag, 29. Januar 2015

6 Ideen die Kirche umzugestalten

Wie in den vorangegangenen Posts schon angeklungen ist, sollte die Kirche sich dringend neu erfinden. Andernfalls wird sie spätestens im Jahre 2055 zu Bruch gehen, weil sich keine Nachfolger für priesterliche Ämter, musikalische Beiträge, Spendengelder, etc... finden. Um das zu verhindern gibt es viele Verbesserungsvorschläge, die die Kirche umsetzen und damit die Jugendlichen im Kirchenalltag halten könnte - hier 6 Grundgedanken:

1  Gottesdienstbeginn am Sonntagmorgen später, bspw. 11 Uhr
Jugendliche feiern am Wochenende gerne mal Partys und schlafen daher am nächsten morgen lieber 1 1/2 Stunden länger als um 7 Uhr wieder aufstehen zu müssen.

2  dunkelblaue statt schwarze Anzüge für die Amtsträger
Wenn Gäste unsere Kirche besuchen werden die "schwarzen" Männer oft negativ aufgefasst, mir ist von Nicht-Kirchengängern der Begriff Aufseher genannt worden. Dunkelblau tut dem festlichen Anlass des Gottesdienstes keinen Abbruch, im Gegenteil, Blau ist eine beruhigende und neutralisierende Farbe.

3  architektonisch ansprechendere/ modernere Kirchenbauten, Renovierungen
Viele unserer Kirchenbauten sind sehr altmodisch - die Fassade, das Fensterglas, Verzierungen, Deckenlichter. In Deutschland wurden von der Neuapostolischen Kirche überwiegend in im bayerischen Raum Kirchengebäude umgebaut - am modernsten erscheinen die Sakralbauten. Vor allem sollte auf eine hellere und einladendere Gestaltung Wert gelegt werden.

4  mehr Gospels, Souls - kurzum mehr Pepp in christlicher Musik
Im vorherigen Post gab ich die Szene aus dem Film The Blues Brothers (1980) zum Beispiel: Jake und Elwood werden von ihrem Ziehvater Curtis auf den Gedanken gebracht zur Kirche zu gehen. Sie sollen auf legalem Wege das Geld für das Waisenhauses des Pinguins verdienen, weil dies hoch verschuldet ist. Während der Predigt des Right Reverend James herrscht durch mehr Persönlichkeit eine viel polarisierendere Atmosphäre, es wird ungezwungener gesungen und auch getanzt. Andächtige Musik sollte dabei auf keinen Fall verloren gehen, doch momentan werden mancherorts die Gottesdienste von derart schwungloser Musik begleitet, dass Jugendliche lieber fern bleiben.

5  fortschrittlichere Predigten
Wie oft sitzen wir im Gottesdienst und lassen uns berieseln von einem Regen aus Floskeln über Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Möchte ich wirklich jeden Sonntag und Mittwoch gesagt bekommen, dass ich meinen Nächsten gut behandeln und nach den Geboten der Liebe leben soll? Viel interessanter und fesselnder sind doch Predigten, die auf das heutige Leben abzielen und die christliche Geschichte kritisch hinterfragen. Man sollte doch vor allem deshalb in die Kirche gehen, um seinen Glauben stetig neu auszurichten - nicht um sich von immer demselben Gerede einlullen zu lassen.

6  Spätere Konfirmation oder Vorstufe zur Jugend
Manchmal merke ich bei Verabredungen in unserer Gruppe, dass als Jugendliche die Altersunterschiede immens groß sind. Wenn sich beispielsweise ein 22-jähriger mit einer frisch konfirmierten 14-jährigen unterhält, stehen Welten der Reife zwischen ihnen. Deshalb ist es manchmal gut, die Jugendlichen zu teilen in junge Jugendliche und Jugendliche. Dies wäre Aktionen und Jugendstunden sinnvoll, denn wie oft fühlen sich Konfirmanden in der Jugend fremd, weil sie einfach ins kalte Wasser geworfen werden und sie womöglich keiner auffängt?

Mittwoch, 28. Januar 2015

Könnte Soul die Kirche retten?

Wenn wir zum Gottesdienst kommen setzen wir uns in die Bank, bemerken die Atmosphäre und lauschen den Worten des Dienstleiters, der vom Altar spricht. Im günstigsten Fall können wir nach dem Schlusslied des Orchesters wieder gestärkt aus der Bank aufstehen und der Alltag hat uns wieder.
Wenn uns jedoch der Gottesdienst missfallen hat, weil es beispielsweise mal wieder nur die Herz erwärmenden Floskeln waren, die da vom Altar auf uns hinab rieselten, dann ist es besonders wichtig den Gottesdienst mithilfe von Gesprächen aufzuarbeiten. Meistens entwickelt sich aus jenem Gespräch ein ganz anderer Sinn hinter der Predigt und man hat es geschafft, den Saft daraus zu ziehen, den man persönlich braucht.
Es ist eine Gabe, sich aus allen Dingen und Situationen im Leben nur die Rosinen rauszupicken, und dies ist keinesfalls egoistisch solange man damit niemanden verletzt. Es hilft einem gestärkter durchs Leben zu ziehen und optimistischer in die Welt zu blicken - so begegnet man übrigens auch seinen Mitmenschen viel positiver und es entsteht weniger Streit.

Ich erinnere mich an ein solches Gespräch: Es ging um Vorschläge, wie wir den Gottesdienst umgestalten würden, sodass wieder alle Jugendlichen gerne zur Kirche kommen. Durch das Lied Happy (Pharrell Williams) kamen wir auf eine Idee. Könnte man durch viel mehr Persönlichkeit innerhalb der Predigt und lockerere Stimmung durch Soul-Musik eine elektrisierendere Kirche gestalten? Wir kamen auf eine Szene aus dem Film The Blues Brothers (1980), Jake und Elwood suchen nach einer legalen Lösung um Geld für das Waisenhaus des Pinguins einzutreiben, welches verkauft werden soll. Sie werden auf den Gedanken gebracht zur Kirche zu gehen und finden sich mitten in einem Gottesdienst von Right Reverend James wieder:


Natürlich waren mein Gesprächspartner und ich noch nie im tiefsten Amerika und wissen daher nicht, ob dort solche Gottesdienste stattfinden. Doch es ist eine unglaublich starke Motivation einmal einen solch polarisierenden Gottesdienst zu erleben.
Natürlich, muss ich gestehen, kann man mich immer sehr gut mit Musik und Soul einfangen. Doch mein Gegenüber, der ein ganz anderer Charakter ist, sagte: "Wenn bei uns die Gottesdienste ungezwungener wären und nicht so verklemmt, dann würde ich mich in unserer Kirche viel wohler fühlen!"

Wenn man kritisiert sollte man selbstverständlich auch Verbesserungsvorschläge machen. Es fängt schon mit der christlichen Kirchenzeit an - 9:30 Uhr Gottesdienstbeginn. Unter den Jugendlichen ist es Usus, dass man sich am Wochenende (sprich: Freitag- und Samstagabend) mit seinen Freunden trifft und Party macht, was natürlich auch mit Alkohol und dem darauf folgenden Kater verbunden ist. Und nun sollen wir auch noch am nächsten Tag um 7 Uhr aufstehen und aufmerksam im Gottesdienst sitzen? Das alles würde einem viel leichter fallen, wenn der Gottesdienstbeginn erst um 11 Uhr wäre. Die ganze Prozedur wäre um 12 Uhr zu Ende und dann kann pünktlich um 13:30 Uhr Mittag gegessen werden. Außerdem ist doch Sonntag - d. h. kein Stress, denn Du sollst den Feiertag heiligen.

Ein weiterer Punkt meines Gegenübers war die Farbe der Kleidung, beispielsweise an einem Stammapostel-Gottesdienst. Wenn hohe Ämter den Dienstleiter geben wird normalerweise Schwarz-Weiß getragen. Für Frauen bedeutet dies schwarzer Rock und weiße Bluse, für die Männer schwarzer Anzug und weißes Hemd. Wie wär's mit ein bisschen mehr Farbe? Meine Grundschullehrerin erzählte einmal von einer Freundin, die sich zu Ihrer Trauerfeier eine bunt gekleidete Trauergesellschaft wünschte. 
Amtsträger könnten für den Anfang dunkelblaue Anzüge tragen, damit das Festliche auf keinen Fall verloren geht.

Es gibt viele Ideen um den Sonntagmorgen jugendfreundlicher zu gestalten!
Doch wenn man uns nur zuhören würde - würde nur eine unserer Illusionen umgesetzt?


Dienstag, 27. Januar 2015

Die Flagge, unter der wir segeln...

Neulich hatte ich ein sehr interessantes Gespräch - wir kamen gerade von einer wenig produktiven Jugendstunde und mussten unserem aufgestauten Ärger Luft machen. Das Thema der besagten Jugendstunde war das neue Motto des Jahres "Freude in Christus", welches allein schon wegen seiner altertümlichen Sprache in unserer Gruppe sehr schlecht ankam. Wer spricht denn heutzutage noch so? Natürlich verbindet man Kirche mit solch altdeutschen Sätzen, bzw. Aussagen, doch gerade diese Texte lösen im Inneren der Jugendlichen von Heute einen starke Verprellung aus, die sehr schwer zu beheben ist. Denn wir alle wissen aus eigener Erfahrung: Ein Urteil ist schnell gefällt und es ist fast unmöglich die Schublade wieder auf zu machen!
 
In unserem Gespräch ist uns klar geworden, dass sich nicht die Kirche die Menschen aussucht, die ihr folgen sollen, sondern die Menschen sollten sich die Konfession aussuchen, die ihnen am meisten liegt und mit der sie sich am besten identifizieren können. Was passiert in uns, wenn unsere Überzeugung nicht mehr zu der Flagge passt, unter der wir segeln (wollen)?
Unsere Gemeinde ist die schönste, die ich kenne. Vor allem gehe ich zur Kirche, weil ich mich mit den Leuten gut verstehe und um mit ihnen Musik zu machen. Die Predigt, bzw. das Wort, welches vom Altar gesprochen wird, wurde für mich in letzter Zeit immer seltener zum Grund um jeden Sonntag und Mittwoch zum Gottesdienst zu erscheinen. Zusammengefasst: Momentan gehe ich zum Gottesdienst, weil mir die Umrahmung so viel Spaß bereitet - das Wort und dessen Interpretation ist meine letzte Motivationsquelle.
 
Die Flagge bildet in diesem Fall der Bezirksapostel R. Krause und seine untergeordneten Apostel und weiteren Amtsträger. Der bis dato größte Schock, der durch die Reihen der neuapostolischen Gläubigen ging, war die Veruntreuung von 10 Millionen Euro Opfergeldern, die unter der Leitung des Bezirksapostels A. Brinkmann im Bezirk NRW in eine scheinbar sichere Kapitalanlage investiert wurden. Jedoch gingen die Verantwortlichen zwei Betrügern auf den Leim, wodurch das gesamte Geld plötzlich unwiderruflich im Untergrund verschwand. Diese ganze Geschichte ereignete sich 2007, wurde allerdings erst 2012 veröffentlicht, als eine weitere Verschleierung aufgrund von öffentlichen Gerichtsverhandlungen nicht mehr möglich war. Der Bezirksapostel Brinkmann bekannte sich öffentlich zu den verzockten Spendengeldern und entschuldigte sich im Anschluss an einen Stammapostel-Gottesdienst bei den Gläubigen im gesamten Bezirk Nordrhein-Westfalen. Der damalige Stammapostel Leber erkannte diese Entschuldigung an. Bezirksapostel Brinkmann blieb bis zum Ende seiner Amtszeit im Amt des Bezirksapostels tätig und kassiert noch heute seine Rente aus dem Rentenfond der Neuapostolischen Kirche.
Mit dem Satz: "Ihr werdet schon dafür sorgen, dass uns das Geld nicht ausgeht!" hat der Bezirksapostel R. Krause einen großen Gottesdienst beendet und damit für allerlei Empörung gesorgt. Dieser Satz hat bei vielen ein Gefühl der Ausbeutung ausgelöst, denn viele handelten bis zu diesem Zeitpunkt nach dem Vorsatz jeden Monat den 10-ten des gesamten Einkommens zu spenden um die neuapostolische Kirchengemeinschaft zu erhalten.
Nun komme ich an den Punkt, wo ich zu überlegen beginne, ob ich weiter unter dieser Flagge segeln möchte. Kann man weiterhin jeden Monat 10% seines Einkommens an die Kirche spenden, nur um seine eigene Gemeinde weiterhin zu erhalten? Mein Gesprächspartner und ich überlegten, ob unsere Gemeinde sich nicht selber tragen könnte. Natürlich wäre dieses Unterfangen mit einer gewissen Portion Egoismus verbunden, doch bei derartigen Vorkommnissen möchte man doch wissen, wo das Geld bleibt. Leider ist eine Verselbstständigung der Gemeinde unmöglich - dafür haben die Obersten penibelst gesorgt.
 
Man muss sich bewusst machen, dass mit dem Spenden die Verantwortung für das abgegebene Geld nicht aufhört! Wir sollten wohl überlegt unsere Opfergelder einsetzen, denn manchmal ist eine Spende an Unternehmen für wohltätige Zwecke genauso christlich.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Liebe Leserin, lieber Leser,

"My dear beloved brothers and sisters!", wie die englisch sprechenden Amtsträger gerne ihre Predigt beginnen.
Zunächst möchte ich mich soweit es geht vorstellen: Ich bin mein ganzes Leben lang neuapostolisch geprägt worden, da meine Eltern mich von Geburt an immer mit zum Gottesdienst genommen haben. Selbstverständlich bin ich durch den Glauben auch christlich und vor allem musikalisch erzogen worden. Früh wurde ich getauft und auch versiegelt, war in der Vor- und Sonntagsschule und 4 Jahre im Religions- und 1 Jahr im Konfirmandenunterricht.
Meine Gemeinde ist eine echte Wohlfühl-Gemeinde - natürlich reibt es sich immer an ein paar Stellen, doch im Endeffekt kommen alle gerne wieder. Dies veranlasst mich, regelmäßig zum Gottesdienst zu kommen, was niemals selbstverständlich ist.

Mit dem Start dieses Blogs liegt mir vor allem ein Thema brennend auf dem Herzen:

Die Zukunft der Kirche

 
Die Zukunft der Kirche bilden alle Geschwister, die neben uns im Gottesdienst sitzen, altertümlich ausgedrückt "dem Herrn dienen". Da sitzen, meist schon in Pension, die Senioren in den Bänken auf der rechten Seite des Kirchenschiffs, sie haben das Musizieren und Predigen schon hinter sich gelassen und genießen ihren wohlverdienten Ruhestand. Die Männer verrichten gerne Gartenarbeiten, die Frauen putzen die Kirche und manche von ihnen sind auch wesentlich am Blumenschmuck beteiligt.
Dann gibt es eine große Hauptgruppe Geschwister - das Mittelalter. Diese Gruppe ist zwischen 35 und 70 Jahre alt und der aktive Teil der Gemeinde. Das junge Mittelalter (ca. 35-45 Jahre) hat justement eine Familie gegründet, ein Haus gebaut und ist beruflichen kurz vorm Zenit seiner Karriere. Der mittlere Teil des Mittelalters (ca. 45-60 Jahre) ist am aktivsten in der Gemeinde, er musiziert im Orchester, singt im Chor, gestaltet den Blumenschmuck, hilft die Kirche sauber zu halten und übernimmt Seelsorgerische Tätigkeiten. Das ältere Mittelalter (60-70 Jahre) übernimmt viel im organisatorischen Bereich, z.B. für Aktionen im Seniorenkreis.
 
Den vermeintlich kleinsten Kreis in der Gemeinde stellen die Jugendlichen, hier ist eine starke Aufklärung nötig. Der Kreis der Jugendlichen wird von vielen Geschwistern deshalb als kleinster Kreis bezeichnet, weil sie sich mehr und mehr aus dem alltäglichen Kirchenleben zurück ziehen. Dies liegt an vielen Faktoren - die Kirchenführung, der altertümliche Wortschatz, personelle Gründe, etc...
 
Alle diese Gruppen stellen die Zukunft der Kirche, denn was sie tun - sowohl im Einklang als auch evtl. unüberlegt gegeneinander - bildet die Zukunft des neuapostolischen Glaubens und der Kirchengemeinschaft. Ich möchte das Fernbleiben vieler Jugendlicher als Verfall der Neuapostolischen Kirche bezeichnen, denn für viele gibt es nur zwei Wege: Rebellion oder Ignoranz.
 
Da ich ebenfalls noch mitten im jugendlichen Alter bin, habe ich eine dieser Richtungen zu wählen. Ich weiß mich in der Minderheit, wenn ich mich für die Rebellion entscheide, denn die meisten unserer Art sind so verschreckt, dass sie lieber fern bleiben von all den prekären Themen, die man eigentlich ansprechen und ausfechten sollte.
 
 
So viel zur Premiere dieses Blogs.
 
Maria K.