Donnerstag, 29. Januar 2015

6 Ideen die Kirche umzugestalten

Wie in den vorangegangenen Posts schon angeklungen ist, sollte die Kirche sich dringend neu erfinden. Andernfalls wird sie spätestens im Jahre 2055 zu Bruch gehen, weil sich keine Nachfolger für priesterliche Ämter, musikalische Beiträge, Spendengelder, etc... finden. Um das zu verhindern gibt es viele Verbesserungsvorschläge, die die Kirche umsetzen und damit die Jugendlichen im Kirchenalltag halten könnte - hier 6 Grundgedanken:

1  Gottesdienstbeginn am Sonntagmorgen später, bspw. 11 Uhr
Jugendliche feiern am Wochenende gerne mal Partys und schlafen daher am nächsten morgen lieber 1 1/2 Stunden länger als um 7 Uhr wieder aufstehen zu müssen.

2  dunkelblaue statt schwarze Anzüge für die Amtsträger
Wenn Gäste unsere Kirche besuchen werden die "schwarzen" Männer oft negativ aufgefasst, mir ist von Nicht-Kirchengängern der Begriff Aufseher genannt worden. Dunkelblau tut dem festlichen Anlass des Gottesdienstes keinen Abbruch, im Gegenteil, Blau ist eine beruhigende und neutralisierende Farbe.

3  architektonisch ansprechendere/ modernere Kirchenbauten, Renovierungen
Viele unserer Kirchenbauten sind sehr altmodisch - die Fassade, das Fensterglas, Verzierungen, Deckenlichter. In Deutschland wurden von der Neuapostolischen Kirche überwiegend in im bayerischen Raum Kirchengebäude umgebaut - am modernsten erscheinen die Sakralbauten. Vor allem sollte auf eine hellere und einladendere Gestaltung Wert gelegt werden.

4  mehr Gospels, Souls - kurzum mehr Pepp in christlicher Musik
Im vorherigen Post gab ich die Szene aus dem Film The Blues Brothers (1980) zum Beispiel: Jake und Elwood werden von ihrem Ziehvater Curtis auf den Gedanken gebracht zur Kirche zu gehen. Sie sollen auf legalem Wege das Geld für das Waisenhauses des Pinguins verdienen, weil dies hoch verschuldet ist. Während der Predigt des Right Reverend James herrscht durch mehr Persönlichkeit eine viel polarisierendere Atmosphäre, es wird ungezwungener gesungen und auch getanzt. Andächtige Musik sollte dabei auf keinen Fall verloren gehen, doch momentan werden mancherorts die Gottesdienste von derart schwungloser Musik begleitet, dass Jugendliche lieber fern bleiben.

5  fortschrittlichere Predigten
Wie oft sitzen wir im Gottesdienst und lassen uns berieseln von einem Regen aus Floskeln über Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Möchte ich wirklich jeden Sonntag und Mittwoch gesagt bekommen, dass ich meinen Nächsten gut behandeln und nach den Geboten der Liebe leben soll? Viel interessanter und fesselnder sind doch Predigten, die auf das heutige Leben abzielen und die christliche Geschichte kritisch hinterfragen. Man sollte doch vor allem deshalb in die Kirche gehen, um seinen Glauben stetig neu auszurichten - nicht um sich von immer demselben Gerede einlullen zu lassen.

6  Spätere Konfirmation oder Vorstufe zur Jugend
Manchmal merke ich bei Verabredungen in unserer Gruppe, dass als Jugendliche die Altersunterschiede immens groß sind. Wenn sich beispielsweise ein 22-jähriger mit einer frisch konfirmierten 14-jährigen unterhält, stehen Welten der Reife zwischen ihnen. Deshalb ist es manchmal gut, die Jugendlichen zu teilen in junge Jugendliche und Jugendliche. Dies wäre Aktionen und Jugendstunden sinnvoll, denn wie oft fühlen sich Konfirmanden in der Jugend fremd, weil sie einfach ins kalte Wasser geworfen werden und sie womöglich keiner auffängt?

Mittwoch, 28. Januar 2015

Könnte Soul die Kirche retten?

Wenn wir zum Gottesdienst kommen setzen wir uns in die Bank, bemerken die Atmosphäre und lauschen den Worten des Dienstleiters, der vom Altar spricht. Im günstigsten Fall können wir nach dem Schlusslied des Orchesters wieder gestärkt aus der Bank aufstehen und der Alltag hat uns wieder.
Wenn uns jedoch der Gottesdienst missfallen hat, weil es beispielsweise mal wieder nur die Herz erwärmenden Floskeln waren, die da vom Altar auf uns hinab rieselten, dann ist es besonders wichtig den Gottesdienst mithilfe von Gesprächen aufzuarbeiten. Meistens entwickelt sich aus jenem Gespräch ein ganz anderer Sinn hinter der Predigt und man hat es geschafft, den Saft daraus zu ziehen, den man persönlich braucht.
Es ist eine Gabe, sich aus allen Dingen und Situationen im Leben nur die Rosinen rauszupicken, und dies ist keinesfalls egoistisch solange man damit niemanden verletzt. Es hilft einem gestärkter durchs Leben zu ziehen und optimistischer in die Welt zu blicken - so begegnet man übrigens auch seinen Mitmenschen viel positiver und es entsteht weniger Streit.

Ich erinnere mich an ein solches Gespräch: Es ging um Vorschläge, wie wir den Gottesdienst umgestalten würden, sodass wieder alle Jugendlichen gerne zur Kirche kommen. Durch das Lied Happy (Pharrell Williams) kamen wir auf eine Idee. Könnte man durch viel mehr Persönlichkeit innerhalb der Predigt und lockerere Stimmung durch Soul-Musik eine elektrisierendere Kirche gestalten? Wir kamen auf eine Szene aus dem Film The Blues Brothers (1980), Jake und Elwood suchen nach einer legalen Lösung um Geld für das Waisenhaus des Pinguins einzutreiben, welches verkauft werden soll. Sie werden auf den Gedanken gebracht zur Kirche zu gehen und finden sich mitten in einem Gottesdienst von Right Reverend James wieder:


Natürlich waren mein Gesprächspartner und ich noch nie im tiefsten Amerika und wissen daher nicht, ob dort solche Gottesdienste stattfinden. Doch es ist eine unglaublich starke Motivation einmal einen solch polarisierenden Gottesdienst zu erleben.
Natürlich, muss ich gestehen, kann man mich immer sehr gut mit Musik und Soul einfangen. Doch mein Gegenüber, der ein ganz anderer Charakter ist, sagte: "Wenn bei uns die Gottesdienste ungezwungener wären und nicht so verklemmt, dann würde ich mich in unserer Kirche viel wohler fühlen!"

Wenn man kritisiert sollte man selbstverständlich auch Verbesserungsvorschläge machen. Es fängt schon mit der christlichen Kirchenzeit an - 9:30 Uhr Gottesdienstbeginn. Unter den Jugendlichen ist es Usus, dass man sich am Wochenende (sprich: Freitag- und Samstagabend) mit seinen Freunden trifft und Party macht, was natürlich auch mit Alkohol und dem darauf folgenden Kater verbunden ist. Und nun sollen wir auch noch am nächsten Tag um 7 Uhr aufstehen und aufmerksam im Gottesdienst sitzen? Das alles würde einem viel leichter fallen, wenn der Gottesdienstbeginn erst um 11 Uhr wäre. Die ganze Prozedur wäre um 12 Uhr zu Ende und dann kann pünktlich um 13:30 Uhr Mittag gegessen werden. Außerdem ist doch Sonntag - d. h. kein Stress, denn Du sollst den Feiertag heiligen.

Ein weiterer Punkt meines Gegenübers war die Farbe der Kleidung, beispielsweise an einem Stammapostel-Gottesdienst. Wenn hohe Ämter den Dienstleiter geben wird normalerweise Schwarz-Weiß getragen. Für Frauen bedeutet dies schwarzer Rock und weiße Bluse, für die Männer schwarzer Anzug und weißes Hemd. Wie wär's mit ein bisschen mehr Farbe? Meine Grundschullehrerin erzählte einmal von einer Freundin, die sich zu Ihrer Trauerfeier eine bunt gekleidete Trauergesellschaft wünschte. 
Amtsträger könnten für den Anfang dunkelblaue Anzüge tragen, damit das Festliche auf keinen Fall verloren geht.

Es gibt viele Ideen um den Sonntagmorgen jugendfreundlicher zu gestalten!
Doch wenn man uns nur zuhören würde - würde nur eine unserer Illusionen umgesetzt?


Dienstag, 27. Januar 2015

Die Flagge, unter der wir segeln...

Neulich hatte ich ein sehr interessantes Gespräch - wir kamen gerade von einer wenig produktiven Jugendstunde und mussten unserem aufgestauten Ärger Luft machen. Das Thema der besagten Jugendstunde war das neue Motto des Jahres "Freude in Christus", welches allein schon wegen seiner altertümlichen Sprache in unserer Gruppe sehr schlecht ankam. Wer spricht denn heutzutage noch so? Natürlich verbindet man Kirche mit solch altdeutschen Sätzen, bzw. Aussagen, doch gerade diese Texte lösen im Inneren der Jugendlichen von Heute einen starke Verprellung aus, die sehr schwer zu beheben ist. Denn wir alle wissen aus eigener Erfahrung: Ein Urteil ist schnell gefällt und es ist fast unmöglich die Schublade wieder auf zu machen!
 
In unserem Gespräch ist uns klar geworden, dass sich nicht die Kirche die Menschen aussucht, die ihr folgen sollen, sondern die Menschen sollten sich die Konfession aussuchen, die ihnen am meisten liegt und mit der sie sich am besten identifizieren können. Was passiert in uns, wenn unsere Überzeugung nicht mehr zu der Flagge passt, unter der wir segeln (wollen)?
Unsere Gemeinde ist die schönste, die ich kenne. Vor allem gehe ich zur Kirche, weil ich mich mit den Leuten gut verstehe und um mit ihnen Musik zu machen. Die Predigt, bzw. das Wort, welches vom Altar gesprochen wird, wurde für mich in letzter Zeit immer seltener zum Grund um jeden Sonntag und Mittwoch zum Gottesdienst zu erscheinen. Zusammengefasst: Momentan gehe ich zum Gottesdienst, weil mir die Umrahmung so viel Spaß bereitet - das Wort und dessen Interpretation ist meine letzte Motivationsquelle.
 
Die Flagge bildet in diesem Fall der Bezirksapostel R. Krause und seine untergeordneten Apostel und weiteren Amtsträger. Der bis dato größte Schock, der durch die Reihen der neuapostolischen Gläubigen ging, war die Veruntreuung von 10 Millionen Euro Opfergeldern, die unter der Leitung des Bezirksapostels A. Brinkmann im Bezirk NRW in eine scheinbar sichere Kapitalanlage investiert wurden. Jedoch gingen die Verantwortlichen zwei Betrügern auf den Leim, wodurch das gesamte Geld plötzlich unwiderruflich im Untergrund verschwand. Diese ganze Geschichte ereignete sich 2007, wurde allerdings erst 2012 veröffentlicht, als eine weitere Verschleierung aufgrund von öffentlichen Gerichtsverhandlungen nicht mehr möglich war. Der Bezirksapostel Brinkmann bekannte sich öffentlich zu den verzockten Spendengeldern und entschuldigte sich im Anschluss an einen Stammapostel-Gottesdienst bei den Gläubigen im gesamten Bezirk Nordrhein-Westfalen. Der damalige Stammapostel Leber erkannte diese Entschuldigung an. Bezirksapostel Brinkmann blieb bis zum Ende seiner Amtszeit im Amt des Bezirksapostels tätig und kassiert noch heute seine Rente aus dem Rentenfond der Neuapostolischen Kirche.
Mit dem Satz: "Ihr werdet schon dafür sorgen, dass uns das Geld nicht ausgeht!" hat der Bezirksapostel R. Krause einen großen Gottesdienst beendet und damit für allerlei Empörung gesorgt. Dieser Satz hat bei vielen ein Gefühl der Ausbeutung ausgelöst, denn viele handelten bis zu diesem Zeitpunkt nach dem Vorsatz jeden Monat den 10-ten des gesamten Einkommens zu spenden um die neuapostolische Kirchengemeinschaft zu erhalten.
Nun komme ich an den Punkt, wo ich zu überlegen beginne, ob ich weiter unter dieser Flagge segeln möchte. Kann man weiterhin jeden Monat 10% seines Einkommens an die Kirche spenden, nur um seine eigene Gemeinde weiterhin zu erhalten? Mein Gesprächspartner und ich überlegten, ob unsere Gemeinde sich nicht selber tragen könnte. Natürlich wäre dieses Unterfangen mit einer gewissen Portion Egoismus verbunden, doch bei derartigen Vorkommnissen möchte man doch wissen, wo das Geld bleibt. Leider ist eine Verselbstständigung der Gemeinde unmöglich - dafür haben die Obersten penibelst gesorgt.
 
Man muss sich bewusst machen, dass mit dem Spenden die Verantwortung für das abgegebene Geld nicht aufhört! Wir sollten wohl überlegt unsere Opfergelder einsetzen, denn manchmal ist eine Spende an Unternehmen für wohltätige Zwecke genauso christlich.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Liebe Leserin, lieber Leser,

"My dear beloved brothers and sisters!", wie die englisch sprechenden Amtsträger gerne ihre Predigt beginnen.
Zunächst möchte ich mich soweit es geht vorstellen: Ich bin mein ganzes Leben lang neuapostolisch geprägt worden, da meine Eltern mich von Geburt an immer mit zum Gottesdienst genommen haben. Selbstverständlich bin ich durch den Glauben auch christlich und vor allem musikalisch erzogen worden. Früh wurde ich getauft und auch versiegelt, war in der Vor- und Sonntagsschule und 4 Jahre im Religions- und 1 Jahr im Konfirmandenunterricht.
Meine Gemeinde ist eine echte Wohlfühl-Gemeinde - natürlich reibt es sich immer an ein paar Stellen, doch im Endeffekt kommen alle gerne wieder. Dies veranlasst mich, regelmäßig zum Gottesdienst zu kommen, was niemals selbstverständlich ist.

Mit dem Start dieses Blogs liegt mir vor allem ein Thema brennend auf dem Herzen:

Die Zukunft der Kirche

 
Die Zukunft der Kirche bilden alle Geschwister, die neben uns im Gottesdienst sitzen, altertümlich ausgedrückt "dem Herrn dienen". Da sitzen, meist schon in Pension, die Senioren in den Bänken auf der rechten Seite des Kirchenschiffs, sie haben das Musizieren und Predigen schon hinter sich gelassen und genießen ihren wohlverdienten Ruhestand. Die Männer verrichten gerne Gartenarbeiten, die Frauen putzen die Kirche und manche von ihnen sind auch wesentlich am Blumenschmuck beteiligt.
Dann gibt es eine große Hauptgruppe Geschwister - das Mittelalter. Diese Gruppe ist zwischen 35 und 70 Jahre alt und der aktive Teil der Gemeinde. Das junge Mittelalter (ca. 35-45 Jahre) hat justement eine Familie gegründet, ein Haus gebaut und ist beruflichen kurz vorm Zenit seiner Karriere. Der mittlere Teil des Mittelalters (ca. 45-60 Jahre) ist am aktivsten in der Gemeinde, er musiziert im Orchester, singt im Chor, gestaltet den Blumenschmuck, hilft die Kirche sauber zu halten und übernimmt Seelsorgerische Tätigkeiten. Das ältere Mittelalter (60-70 Jahre) übernimmt viel im organisatorischen Bereich, z.B. für Aktionen im Seniorenkreis.
 
Den vermeintlich kleinsten Kreis in der Gemeinde stellen die Jugendlichen, hier ist eine starke Aufklärung nötig. Der Kreis der Jugendlichen wird von vielen Geschwistern deshalb als kleinster Kreis bezeichnet, weil sie sich mehr und mehr aus dem alltäglichen Kirchenleben zurück ziehen. Dies liegt an vielen Faktoren - die Kirchenführung, der altertümliche Wortschatz, personelle Gründe, etc...
 
Alle diese Gruppen stellen die Zukunft der Kirche, denn was sie tun - sowohl im Einklang als auch evtl. unüberlegt gegeneinander - bildet die Zukunft des neuapostolischen Glaubens und der Kirchengemeinschaft. Ich möchte das Fernbleiben vieler Jugendlicher als Verfall der Neuapostolischen Kirche bezeichnen, denn für viele gibt es nur zwei Wege: Rebellion oder Ignoranz.
 
Da ich ebenfalls noch mitten im jugendlichen Alter bin, habe ich eine dieser Richtungen zu wählen. Ich weiß mich in der Minderheit, wenn ich mich für die Rebellion entscheide, denn die meisten unserer Art sind so verschreckt, dass sie lieber fern bleiben von all den prekären Themen, die man eigentlich ansprechen und ausfechten sollte.
 
 
So viel zur Premiere dieses Blogs.
 
Maria K.