Mittwoch, 28. Januar 2015

Könnte Soul die Kirche retten?

Wenn wir zum Gottesdienst kommen setzen wir uns in die Bank, bemerken die Atmosphäre und lauschen den Worten des Dienstleiters, der vom Altar spricht. Im günstigsten Fall können wir nach dem Schlusslied des Orchesters wieder gestärkt aus der Bank aufstehen und der Alltag hat uns wieder.
Wenn uns jedoch der Gottesdienst missfallen hat, weil es beispielsweise mal wieder nur die Herz erwärmenden Floskeln waren, die da vom Altar auf uns hinab rieselten, dann ist es besonders wichtig den Gottesdienst mithilfe von Gesprächen aufzuarbeiten. Meistens entwickelt sich aus jenem Gespräch ein ganz anderer Sinn hinter der Predigt und man hat es geschafft, den Saft daraus zu ziehen, den man persönlich braucht.
Es ist eine Gabe, sich aus allen Dingen und Situationen im Leben nur die Rosinen rauszupicken, und dies ist keinesfalls egoistisch solange man damit niemanden verletzt. Es hilft einem gestärkter durchs Leben zu ziehen und optimistischer in die Welt zu blicken - so begegnet man übrigens auch seinen Mitmenschen viel positiver und es entsteht weniger Streit.

Ich erinnere mich an ein solches Gespräch: Es ging um Vorschläge, wie wir den Gottesdienst umgestalten würden, sodass wieder alle Jugendlichen gerne zur Kirche kommen. Durch das Lied Happy (Pharrell Williams) kamen wir auf eine Idee. Könnte man durch viel mehr Persönlichkeit innerhalb der Predigt und lockerere Stimmung durch Soul-Musik eine elektrisierendere Kirche gestalten? Wir kamen auf eine Szene aus dem Film The Blues Brothers (1980), Jake und Elwood suchen nach einer legalen Lösung um Geld für das Waisenhaus des Pinguins einzutreiben, welches verkauft werden soll. Sie werden auf den Gedanken gebracht zur Kirche zu gehen und finden sich mitten in einem Gottesdienst von Right Reverend James wieder:


Natürlich waren mein Gesprächspartner und ich noch nie im tiefsten Amerika und wissen daher nicht, ob dort solche Gottesdienste stattfinden. Doch es ist eine unglaublich starke Motivation einmal einen solch polarisierenden Gottesdienst zu erleben.
Natürlich, muss ich gestehen, kann man mich immer sehr gut mit Musik und Soul einfangen. Doch mein Gegenüber, der ein ganz anderer Charakter ist, sagte: "Wenn bei uns die Gottesdienste ungezwungener wären und nicht so verklemmt, dann würde ich mich in unserer Kirche viel wohler fühlen!"

Wenn man kritisiert sollte man selbstverständlich auch Verbesserungsvorschläge machen. Es fängt schon mit der christlichen Kirchenzeit an - 9:30 Uhr Gottesdienstbeginn. Unter den Jugendlichen ist es Usus, dass man sich am Wochenende (sprich: Freitag- und Samstagabend) mit seinen Freunden trifft und Party macht, was natürlich auch mit Alkohol und dem darauf folgenden Kater verbunden ist. Und nun sollen wir auch noch am nächsten Tag um 7 Uhr aufstehen und aufmerksam im Gottesdienst sitzen? Das alles würde einem viel leichter fallen, wenn der Gottesdienstbeginn erst um 11 Uhr wäre. Die ganze Prozedur wäre um 12 Uhr zu Ende und dann kann pünktlich um 13:30 Uhr Mittag gegessen werden. Außerdem ist doch Sonntag - d. h. kein Stress, denn Du sollst den Feiertag heiligen.

Ein weiterer Punkt meines Gegenübers war die Farbe der Kleidung, beispielsweise an einem Stammapostel-Gottesdienst. Wenn hohe Ämter den Dienstleiter geben wird normalerweise Schwarz-Weiß getragen. Für Frauen bedeutet dies schwarzer Rock und weiße Bluse, für die Männer schwarzer Anzug und weißes Hemd. Wie wär's mit ein bisschen mehr Farbe? Meine Grundschullehrerin erzählte einmal von einer Freundin, die sich zu Ihrer Trauerfeier eine bunt gekleidete Trauergesellschaft wünschte. 
Amtsträger könnten für den Anfang dunkelblaue Anzüge tragen, damit das Festliche auf keinen Fall verloren geht.

Es gibt viele Ideen um den Sonntagmorgen jugendfreundlicher zu gestalten!
Doch wenn man uns nur zuhören würde - würde nur eine unserer Illusionen umgesetzt?


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