Wenn wir die Bibel ganz hinten aufschlagen und in der Offenbarung lesen, erinnern wir uns an die grundsätzliche Hoffnung des neuapostolischen Glaubens: Wenn die letzte Seele gefunden ist, kommt der Herr Jesus wieder auf die Erde und holt seine Braut (also die vollständige Gemeinde) ins tausendjährige Friedensreich.
Letzten Sonntag durfte ich einen Gottesdienst erleben, während dem es bildlich gesprochen lieblich rieselnde Floskeln regnete. Besagter Dienstleiter war zu Gast in unserer Gemeinde aufgrund des Ämteraustausches. Das Wort zum Gottesdienst bildete sich aus der Geschichte, in der die Jünger alleine auf dem See Genezareth fischen waren und ein riesiger Sturm aufkam. Die Jünger haben Todesangst als schließlich Jesus über das Wasser zu ihnen kommt und Petrus ihm entgegen geht.
Vorweg möchte ich ganz deutlich sagen, dass ich jeden bewundere, der vorne frei zu einer ganzen großen Gemeinde sprechen kann und auch vollstes Verständnis dafür habe, wenn man aus Aufregung etwas sagt, was man später womöglich revidieren würde!
Jedenfalls biss sich besagter Dienstleiter derart an o. g. Bibelwort fest, dass ich innerlich immer mehr zu brodeln anfing und schließlich, um frische Luft zu schnappen, das Kirchenschiff verließ. Normalerweise gibt es in unserer Gemeinde Leute, die in solchen Fällen parallel zum Gottesdienst in einem anderen Raum eine Gesprächsrunde eröffnen, bspw. um Konfirmanden das Bibelwort näher zu erläutern oder mit Jugendlichen über die Predigt zu diskutieren. Leider war gerade an diesem unglückseligen Tag keiner da mit dem man sich darüber hätte unterhalten können und darum setzte ich mich nach einer Weile mit einem neuen Funken Hoffnung wieder in den Gottesdienst und versuchte, wenigstens zwischen den Zeilen, irgendwas zu finden, das für mich greifbar wäre.
Das war das eine. Was mich aber viel mehr störte - und das kommt in unseren Breitengraden häufig vor - war die Definition, bzw. Interpretation über die Wiederkunft des Herrn. Viele sind heutzutage der Meinung, dass dies folgendermaßen aussieht:
Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. (1. Thessalonicher 4, 16-17)
Dass die Bibel aber damals hauptsächlich ein Mittel zur Moralschaffung war und alles, was in ihr niedergeschrieben ist, bildliche Darstellungen sind, vergessen die meisten.
Die Wiederkunft von Gott auf diese Erde wird vollkommen falsch gesehen! Es wird niemand vom Himmel auf die Erde herab geschwebt kommen und alle in einem Lichtstrahl zu sich heraufziehen.
Mit der Wiederkunft Gottes ist etwas ganz anderes gemeint: Eine Art Erleuchtung, die uns widerfahren kann, wenn wir alles daran setzen friedlich und im Sinne der Nächstenliebe zu leben. Diese Erleuchtung kann in vielen Dingen geschehen, z. B. während eines Gesprächs in dem sich eine völlig neue Richtung eröffnet. Wenn es im Kopf kribbelt und man merkt, dass sich wieder eine neue Synapse gebildet hat und der Gedankenstrom weiterkommt. Oder auch in der Musik, wenn man gemeinsam immer mehr erreicht und seine Grenzen und somit auch Ziele neu stecken kann - egal ob man in einer Band spielt oder einem Orchester.
Kurz gesagt, man erreicht Erleuchtung durch Erfüllung, die man sich in allen Bereichen erarbeiten kann - sei es Sport, Philosophie, Musik, Handwerk, oder ähnliches. Im Gottesdienst versucht man eben aus dem Wort den Saft zu ziehen, der einen erleuchtet und dadurch im Leben weiter bringt. Wobei man stets beachten sollte, dass ein Vortrag nur durch die Gespräche und das Feedback danach in einem lebendig bleibt.
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