Jeder Mensch wird in sein Leben hinein geboren, ob als Europäer oder Afrikaner, Mann oder Frau, ob in eine einsame oder von Menschen stark bevölkerte Gegend. Keiner kann sich die Nase aussuchen, die er bekommt und erst recht nicht die Familie in der er aufwächst. Irgendwann kommt man in ein Alter, in dem man alles und jeden in Frage stellt. Wer bin ich? Wo komme ich her? Woran glaube ich? Und will ich etwas ändern?
Auf den christlichen Glauben bezogen kommt man ebenfalls an einen Punkt, an dem man seinen Glauben neu definieren will und muss. Viele Jugendliche entscheiden sich nach sorgfältiger Abwägung gegen die Kirche als Institution, das bedeutet aber keinesfalls, dass sie nicht trotzdem in Verbindung mit Gott stehen. Man könnte sogar vielerorts den Eindruck gewinnen, dass die Leute, die sich gegen die Kirche und die damit verbundenen Aktionen entscheiden, viel mehr mit Gott im Einklang leben als manch selbsternannter Super-Christ. Es ist nur gesund seine Lebensform ständig zu hinterfragen, denn nur so kann man sie optimieren. Natürlich leben Menschen, die alles für bare Münze nehmen und so leben, wie es ihnen vom Altar aus vorgetragen wird, ebenfalls gesund. Vielleicht sogar einfacher, weil sie nicht ständig Auseinandersetzungen durchleben. Doch es fehlt ihnen das fortschrittliche Wachsen mit der Gesellschaft, was größtenteils nur durch das ständige Erweitern der eigenen Meinung erreicht wird.
Wo komme ich her?
Jeder weiß über sich selbst am besten Bescheid: Als ich geboren wurde, haben meine Eltern für mich entschieden, die christliche Verantwortung für mich zu übernehmen - ich wurde getauft und versiegelt. Als Kleinkind ging ich zur Vorsonntags- und später zur Sonntagsschule, danach besuchte ich den Religionsunterricht und später den Konfirmandenunterricht. Mit der Konfirmation geben die Eltern die Verantwortung für das Wachsen im christlichen Glauben des Kindes ab und man selber kann entscheiden, ob man vor Gott ein Treue-Gelübde ablegen möchte oder sich gänzlich von ihm abwendet. Nun kommt die bittere Wahrheit, ganze 3/4-tel der Jugendlichen wenden sich mit der Konfirmation von der Kirche ab. Ich selbst spiele schon lange mit dem Gedanken mich aus dem Kirchenbuch streichen zu lassen, meine Eltern sind darüber logischerweise sehr enttäuscht. Sie haben mich ja mein ganzes Leben lang christlich erzogen in der Hoffnung, dass diese Tradition in mir verankert ist und mich durch mein Leben begleitet. Trotzdem beißt sich dieser Gedanke fest und man wägt jeden Sonntagmorgen neu ab, was einen noch zum Gottesdienst treibt.
Festzuhalten ist jedoch, dass man immer ein Kind Gottes bleiben wird, ob man nun die Kirche besucht oder nicht. Ich könnte mich nach meinem Austritt immer noch mit meinen Eltern über den vergangenen Gottesdienst und seine Inhalte unterhalten. Ich wäre auf dem Papier zwar nur noch Besucher der neuapostolischen Kirche und kein Mitglied mehr, doch aus einer Familie kann man sich nicht austragen lassen.
Man gehört immer dazu.
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